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Trophäenjagd ein Relikt aus der Kolonialzeit - Jagen und Fischen zur Imagepflege gehört verboten

Die Messe „Jagen und Fischen“ fand heuer nach Corona wieder einen erheblichen Zuspruch. Unter den rund 300 Anbietern waren allerdings auch drei zu finden, die wie auch schon in früheren Jahren wieder Trophäenjagden in Südafrika und Namibia anboten. Hier können Touristen (eine Jagdausbildung ist nicht erforderlich) je nach Geldbeutel alle nur erdenklichen geschützten Tierarten für sich zum Abschuss aussuchen: nicht nur Antilopen, sondern auch Zebras, Wasserbüffel, Geparden, Löwen oder Elefanten o.a. werden angeboten. Diese Praxis des Jagdtourismus steht schon seit Jahren in der Kritik der Tier- und Artenschutzverbände weltweit.

Auch die ÖDP hat sich hier seit Jahren für ein generelles Verbot ausgesprochen. Aktuell setzt sich auf europäischer Ebene die Europaabgeordnete der ÖDP, Manuela Ripa, für ein solches Verbot ein: „Die Jagd auf geschützte Arten ist weder ethisch vertretbar noch nachhaltig, sie widerspricht dem Artenschutz und gefährdet außerdem den Klimaschutz“, so Manuela Ripa.   
Für Augsburgs ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger war die aktuelle Messe „Jagen und Fischen“ auf dem Augsburger Messegelände bereits im September Anlass, über eine Anfrage an die Oberbürgermeisterin Frau Weber abzuklären, ob die Stadt mit ihrer Messe weiterhin den Anbietern von Jagdtrophäenreisen eine Plattform bieten wolle. Wie der zuständige Wirtschaftsreferent Dr. Hübschle nun kurz vor Messestart in seiner Antwort verlauten ließ, überprüfe die Messegesellschaft ja ohnehin, ob alle Anbieter die gesetzlichen Bestimmungen einhielten. Und im Übrigen biete sich ja gerade die Messe an als Dialogplattform zwischen den Trophäenjägern und den Tierschützern. „Ein Dialog mit den Trophäenjagdanbietern wäre völlig aussichtslos, da der Jagdtourismus inzwischen schier industrielle Maßstäbe angenommen hat. Hier kann nur eine politische Ächtung helfen: die Gesetze auf Europäischer Ebene müssen endlich wasserdicht gemacht werden und den Anbietern darf nirgendwo – also auch nicht hier in Augsburg - eine Forum für ihre unsäglichen Angebote geboten werden“, so Pettinger.
Unabhängig von Pettinger war von einem Bündnis aus 26 Tier- und Artenschutzverbänden unter Führung des Pro Wildlife e.V. ebenfalls ein Schreiben an Oberbürgermeisterin Weber geschickt worden, indem sich die Verbände eindringlich dafür aussprachen, die Messe „‘Jagen und Fischen‘ frei von Angeboten zur Trophäenjagd“ zu machen. Pettinger sieht sich durch das Votum der Tierrechtsverbände bestätigt: „Ich möchten den Aufschrei aus der deutschen Jägerschaft nicht hören, wenn hier in unseren Wäldern ausländische Touristen nach Belieben die größten und schönsten Tiere abknallen könnten. Aber umgekehrt wird auf der Jagdmesse geduldet, dass Anbieter dazu einladen, in anderen Ländern geschützte Tierarten zu erlegen.“ Dies sei in seinen Augen im höchsten Grade verwerflich und erinnere stark an die Gepflogenheiten aus der Kolonialzeit. Er werde sich jedenfalls weiterhin dafür einsetzen, dass zukünftig keine Trophäenjagden mehr im Augsburger Messezentrum verkauft werden dürften. Hierfür biete sich z.B. die Einführung eines Artenschutzkodexes oder einer Artenschutzsatzung für die Messe an wie sie z.B. auch auf der Dortmunder Jagdmesse existiert. Pettinger wird mit seinem Anliegen deshalb zeitnah auf die Stadtspitze zugehen, um hier für die nächste Messe entsprechende Regeln in Kraft zu setzen.  

 

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