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Klärschlamm birgt Gesundheitsgefahr für AnwohnerInnen in Siebenhäusle

Die AnwohnerInnen der Siedlung Siebenhäusle im Norden von Augsburg fürchten um ihre Gesundheit: seit Jahren bringt ein Landwirt aus der Nachbarschaft Klärschlamm als Dünger auf seinen Äckern rund um die Siedlung aus.

Genau dort, woher die SiedlerInnen über Brunnen auch ihr Trinkwasser beziehen. Klärschlamm enthält neben den erwünschten Nährstoffen und Phosphat für das Pflanzenwachstum auch eine ganze Reihe von höchst giftigen bzw. krankheitserregenden Überresten aus dem Abwasser: die Auflistung vom Umweltbundesamt, Landesamt für Umweltschutz und Fraunhofer Institut ist lang und reicht von Schwermetallen wie z. B. Blei, Quecksilber, Cadmium, Kupfer, über organische Schadstoffe wie Dioxine, Polychlorierte Biphenyle (PCB), Perfluorierte Tenside (PFT), Arzneimittelrückstände, Krankheitserreger, Wurmeier bis zu Nanopartikeln, Mikroplastik, Weichmachern, Arzneimittelrückständen, Antibiotika und einiges mehr. Diese Stoffe reichern sich zum Teil durch wiederholtes Ausbringen im Boden an und die Befürchtung der AnwohnerInnen ist, dass die Stoffe durch Niederschlag in das oberflächennahe Grundwasser ausgespült werden.

Diese Sorge teilt auch ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger. Er hat sich nun mit einem Antrag an Oberbürgermeisterin Weber gewandt: "Wenn ich diese Horrorliste der Giftstoffe lese kann ich die Sorgen der BürgerInnen in Siebenhäusle durchaus verstehen und muss mich wundern, dass hier bisher trotz wiederholter Eingaben der AnwohnerInnen weder das Gesundheits- noch das Umweltamt tätig geworden ist. Schließlich geht es hier um die akute Gefährdung der Gesundheit von MitbürgerInnen." Sicherlich würden die Trinkwasserbrunnen jährlich auf bestimmte Stoffe hin kontrolliert, die Klärschlamm-relevanten Gifte stünden dabei aber nicht auf der Agenda. "Ich kann mich doch nicht als Stadtverwaltung unter Hinweis auf die juristische Zulässigkeit der Klärschlammausbringung zurücklehnen und zuschauen." Dass wahrscheinlich auch noch der nahe Kaisersee von den Klärschlammingredienzien betroffen sei, weil die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände nicht eingehalten würden, komme erschwerend hinzu, so Pettinger.

Viele andere Gebietskörperschaften hätten sich zum Schutz der Gesundheit ihrer BürgerInnen zwischenzeitlich von der Klärschlammausbringung befreien können. So z.B. auch die Ammersee-Gemeinden. Um sich die Kosten für teure Trocknung und Verbrennung des Klärschlamms zu sparen, hatten diese Gemeinden dann die Idee, ihren Dreck zu exportieren: so landete in den Jahren 2016, 2018 und 2019 Klärschlamm von den Ammerseewerken (dortiger Kläranlagenbetreiber) direkt auf den Äckern rund um die Siebenhäusle-Siedlung. Pettinger: "Da können dann die Ammersee-Anrainer einen auf 'weiße Weste' machen, aber sicher nicht auf Kosten der Gesundheit unserer MitbürgerInnen. Das geht gar nicht!"

Pettinger beantragt deshalb, dass die Stadt ggf. auf Kosten des verursachenden Landwirts Beprobungen des Grundwassers rund um dessen Äcker und im Kaisersee vornehmen lässt, die schwerpunktmäßig den gesamten Gift-Cocktail des Klärschlamms abprüfen sollen. Ganz generell soll die Ausbringung von Klärschlamm auf Augsburger Fluren zukünftig nicht mehr möglich sein. "Und wenn sich die Verwaltung nicht sicher ist, wie sie Augsburg klärschlammfrei bekommen kann, dann helfen hier sicher die KollegInnen aus den Ammersee-Gemeinden mit kreativen Ideen gerne bei der Umsetzung." Im Einzugsbereich der städtischen Trinkwasserbrunnen im Siebentisch-Gebiet habe man schließlich auch verschiedenste Lösungen mit den dortigen Landwirten gefunden, um eine Gefährdung des Augsburger Trinkwassers von vorneherein auszuschließen. Zu guter Letzt dürften Feldfrüchte von den kontaminierten Feldern natürlich auch nicht in die Nahrungskette gelangen.