Entlastung für Ausbildungsbetriebe
Spürbare Anerkennung für Ausbildungsbetriebe: Die Sozialbeiträge für Lehrlinge werden aus der Steuerkasse bezahlt.
Ausbildungsbetriebe leisten Wertvolles für die Allgemeinheit. Deshalb wollen wir, dass die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung für die Ausbildungsvergütung entfallen und solidarisch aus der Steuerkasse (z.B. durch eine Steuer auf Flugzeugtreibstoff) bezahlt werden. Die Prüfungsgebühren sind von den Kammern zu tragen, nicht vom Ausbildungsbetrieb.
Werbeverbot im Bildungsbereich
Bildungseinrichtungen müssen frei von Konsumwerbung werden!
Die Wirtschaft dringt in alle Lebensbereiche ein: In der Fachhochschule Würzburg gibt es seit 2006 einen „Aldi-Süd-Hörsaal“! Auch in die Schulen drängen Firmen mit Sponsoring und Werbung.
Die ödp steht diesem Trend sehr kritisch gegenüber: Wirtschaft und öffentliche Daseinsvorsorge (Schulen, Krankenhäuser, Ämter etc.) müssen auch weiterhin getrennt bleiben.
Individuelle Förderung für jedes Kind
Der Streit um das beste Schulsystem wird nie enden. Eines gilt jedoch für alle Schularten und Systeme: Jedes Kind muss ein Anrecht auf individuelle Förderung bekommen.
In den Ländern mit guten Schulerfolgen stehen den Lehrern und Schülern mehrere zusätzliche Helfer (Studierende, Förderlehrer, nebenamtliche HelferInnen, freiwillige Aktiv-Senioren etc.) an der Seite, um leistungsfähigen Schülern zusätzliche Anregungen zu vermitteln, oder hilfsbedürftigen Schülern den Stoff nahezubringen.
Unabhängig vom Schulsystem wäre das auch in unseren bayerischen Schulen sinnvoll.
Aufstiegschancen in allen Schulzweigen
Bildungskarrieren müssen von allen Ausgangspunkten aus möglich werden!
Das gegliederte Schulsystem ist nur dann akzeptabel, wenn die größtmögliche Durchlässigkeit garantiert wird. Von jedem Startpunkt – auch von der Hauptschule aus - muss für begabte Kinder zu einem späteren Zeitpunkt noch jede Bildungskarriere möglich sein.
Kleine Klassen
Unterschiedliche Vorbildung in den Elternhäusern und immer häufiger auftretende Lernstörungen und soziale Probleme machen andere Unterrichtsmethoden notwendig und verlangen intensivere erzieherische Bemühungen. Das geht nur in kleineren Klassen. Wir fordern Klassenstärken von 20 Kindern bzw. Jugendlichen. Bei mehr als 25 Schülerinnen/Schülern ist die Klasse zwingend zu teilen.
doppelte Orientierungsstufe
Wichtige Entscheidungen über die Wahl der Schulart nicht zu früh fällen
Viele Eltern, Lehrer und Kinder klagen zu Recht darüber, dass heute schon in der frühen Grundschule alles unter dem Druck der „großen Entscheidung“ nach der 4. Klasse steht. Das hemmt die Lernfreude durch unnötigen Stress. Wir wollen deshalb, dass zwar das gegliederte Schulsystem erhalten bleibt, aber die Entscheidung für diese oder jene Schulart entkrampft wird. Mit einer „doppelten Orientierungstufe“ kann das gelingen: Nach der vierten Grundschulklasse können sich die Kinder entweder für die „Orientierungstufe HS/RS“ entscheiden und dann nach der 6. Klasse auf die Hauptschule (HS) oder die Realschule (RS) wechseln. Sie können bei entsprechender Neigung und Begabung nach Klasse 4 aber auch die „Orientierungsstufe RS/Gym“ wählen und nach der 6. Klasse entweder auf das Gymnasium oder die Realschule wechseln. In jedem Fall bleiben die Vorzüge des gegliederten Schulsystems erhalten, während sein Hauptmangel, die frühe Laufbahnentscheidung, vermieden wird.
Kurze Beine – kurze Wege
Schulen am Lebensort der Kinder
Der Tendenz zu immer weiteren und aufwändigeren Schulwegen immer jüngerer Schüler muss entgegengewirkt werden. Schulen im ländlichen Bereich sind zu erhalten und gegebenenfalls wieder zu öffnen. Die „Schule im Dorf“ ist die Basis dafür, dass Kinder einen Bezug zu Leben, Religion und Kultur des Heimatraumes entwickeln.
Schülerzahl begrenzen
In der Anonymität übergroßer Schulen liegt der Keim für wachsende soziale Probleme, an denen alle am Schulleben beteiligten Schüler, Lehrer und Eltern leiden.
Neben der Begrenzung der Klassenstärken fordert die ödp deshalb eine Begrenzung der Höchstzahl an Schülern einer Schule ein. Eine allgemeinbildende Schule, unabhängig von der Schulart, sollte nicht mehr als 1000 Schüler umfassen. Erfolgreiche Erziehung und Bildung bedingt persönliche Beziehungen in überschaubaren Einheiten.
Verschlankung der Lehrpläne
Die Lehrpläne aller Schularten müssen auf die Relevanz der Inhalte für die Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen hin überprüft und gekürzt werden. Dies gilt vor allem für das 8-stufige Gymnasium, aber auch für die Grund- und Hauptschulen, in denen das entdeckende und an Projekten orientierte Lernen Vorrang vor dem stupiden Abhaken von inhaltlichen Lernzielen hat.
Schule für alle Sinne
Vorbereitung auf das Leben
In allen Schularten, insbesondere auch im verkürzten Gymnasium, finden die musischen Fächer zu wenig Raum. Diese fördern aber nicht nur die Lebensfreude der Kinder, sondern nachweislich auch die intellektuelle Leistungsfähigkeit.
Auch die Gesundheitsvorsorge muss in allen Schulen ein größeres Gewicht erlangen. Tägliche Erlebnisse der Lebenslust müssen an den Schulen möglich sein: Bewegungsspiele, Entspannungsübungen, gesunde Angebote im Pausenverkauf und in der Mittagspause. Leider gibt es nicht für alle Kinder und nicht überall die Chance, gesund und schmackhaft zu essen. Wer selbst kochen kann, gewinnt Lebensqualität. Kochen und zeitgemäßes Haushaltsmanagement sollten deshalb für alle Buben und Mädchen in der Schule gelehrt werden.
Integration heißt Sprachbarrieren abbauen
frühe Bildungschancen für zweisprachige Kinder
Kinder, die in Bayern mit Deutsch als Fremdsprache aufwachsen, müssen früh sprachlich gefördert werden. In Mütter-Kind-Gruppen, in Krippen und vor allem in den Kindergärten sind solche Kinder durch geschultes Fachpersonal gezielt zu fördern, damit sie beide Sprachen bestmöglich beherrschen.
Unterstützend sind kostenlose Deutschkurse für die Eltern („Mama lernt Deutsch!“) anzubieten.
Sozialpädagogen für Hauptschulen
An jeder Hauptschule soll ein(e) Sozialpädagoge/in arbeiten
Die Vielzahl der neuen Erziehungsprobleme, aber auch die ganz normalen Pubertätsfragen belasten den täglichen Schulalltag und behindern oft den Lernfortschritt. Deshalb muss zumindest an allen Hauptschulen eine Sozialpädagogenstelle eingerichtet werden.
kostenfreie Bildung
Gebührenpflicht für Bildung an Schule und Hochschule muss tabu sein – wie das Büchergeld muss auch die Studiengebühr fallen!
Von einer gut ausgebildeten Jugend haben alle großen Nutzen. Deshalb war es jahrzehntelang selbstverständlich, dass die Ausbildung der Jugend an öffentlichen Schulen und Hochschulen über Steuerzahlungen finanziert wurde. So muss es wieder werden: Unser wirksamer Widerstand mit Verfassungsklage und Aufdeckung von Fehlverwendung hat die Staatsregierung zum Rückzug beim Büchergeld gezwungen. Wir werden auch die Studiengebühren nicht akzeptieren, weil sie familien- und gesellschaftsfeindlich sind.
„mobile Reserven" für Kindergärten
„Mobile Reserven“ sollen im Schulbereich verhindern, dass bei Krankheit und Fortbildung Unterricht ausfällt. Auch wenn das nicht ausreichend gelingt, ist der Ansatz richtig. In den Kindergärten fehlt ein solches System. Wir treten dafür ein, für alle Einrichtungen der vorschulischen Pädagogik „mobile Reserven“ von Fachpersonal einzurichten. Diese sollten zweckmäßig den Jugendämtern zugeordnet werden, damit sie in Zeiten mangelnder Nachfrage in der Familien- und Jugendhilfe mitarbeiten können.
Kindergartenfinanzierung pro Gruppe!
Die von der CSU eingeführte Kindergartenbezuschussung pro Kind und Betreuungszeit ist bürokratisch und erschwert die Planbarkeit der Kinderbetreuung.
Wir treten dafür ein, dass der Freistaat Bayern die Kindergärten wie früher pro Gruppe finanziert. In kleineren Gruppen können auch jüngere und behinderte Kinder besser integriert werden.
langfristiger Bedarf an Lehrkräften
Der Lehrkräftebedarf ist langfristig und vor allem realistisch zu planen
Obwohl die Daten über die Schülerentwicklung aufgrund der Geburten- und Zuzugsstatistiken sehr gut für einen Zeitraum von 5 bis 6 Jahren vorausgesehen werden kann, wird der Lehrkräftebedarf offensichtlich nur von Jahr zu Jahr festgelegt. Ebenso muss der Bedarf an „mobilen Reserven“ für alle Schularten realistisch eingeschätzt werden, um den Unterrichtsausfall aufgrund von Krankheit und Fortbildung wirksam zu reduzieren.
Lehrstuhls zur Entwicklung von Alternativen zum Tierversuch
Wir fordern die Einrichtung eines eigenen Lehrstuhls für die Erforschung und Entwicklung von Ersatzmethoden zum Tierversuch im Gesundheits- und Verbraucherschutz. Die bundesweit erste Professur mit dieser Thematik wurde 2006 an der Universität Konstanz eingerichtet.
Tierversuche dürfen nicht mehr aus Steuergeldern gefördert werden.